Deutsch-russische Hochschulkooperation in neuer Dimension

Der akademische Austausch zwischen Deutschland und Russland erreicht ab Herbst eine neue Qualitätsstufe: Am 1. September eröffnet in Kasan, der Hauptstadt der russischen autonomen Republik Tatarstan, das „German-Russian Institute of Advanced Technologies“ (GRIAT). Hier werden künftig russische Ingenieurstudierende nach deutschem Standard ausgebildet. Die Federführung des groß angelegten, bisher einmaligen Projektes obliegt auf russischer Seite der Kasaner Staatlichen Technischen Forschungsuniversität (KNRTU) und auf deutscher Seite der TU Ilmenau. Langfristig soll in Kasan eine „Deutsch-Russische Universität“ entstehen - die weltweit erste derartige Lehr- und Forschungseinrichtung in einem modernen Industriestaat.

Das GRIAT wird im Rahmen des gleichnamigen Projektes von der Republik Tatarstan und vom Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD mit Mitteln in Höhe von mehreren Millionen Euro gefördert. Die rund 800 Kilometer südöstlich von Moskau gelegene Republik zählt zu den wichtigsten Wirtschaftsregionen Russlands. Ein großer Schwerpunkt liegt auf der Fahrzeug- und Flugzeugindustrie, der Brennstoff- und petrolchemischen Industrie. Zahlreiche deutsche Firmen arbeiten eng mit der hiesigen Industrie zusammen und haben in der Region Niederlassungen etabliert.

In diese prosperierende Entwicklung ordnet sich die Zielstellung des GRIAT, Ingenieurstudiengänge nach deutschem Standard in der russischen Republik zu etablieren, ein. Die TU Ilmenau als Projektleiter profiliert dazu gemeinsam mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ingenieurtechnische Studiengänge für die Übernahme durch die Kasaner Staatliche Technische Forschungsuniversität (KNRTU). Die nach dem russischen Flugzeugbauer Andrej Nikolajevitsch Tupolev auch als „Tupolev-Universität“ benannte KNTRU zählt zu den renommiertesten Forschungsuniversitäten Russlands und gilt als Elite-Universität. Am ihr angegliederten GRIAT starten mit dem Studienjahr 2014/15 die ersten vier, von den Universitäten in Ilmenau und Magdeburg exportierten Studiengänge:

  • Communication and Signal Processing,
  • Research in Computer and Systems Engineering,
  • Electrical Engineering and Information Technology und
  • Science in Chemical and Energy Engineering

Um die Ausbildung zu gewährleisten, halten Professoren der TU Ilmenau und der Universität Magdeburg Blockvorlesungen in Kasan, darüber hinaus sind Langzeitdozenten über das gesamte Jahr vor Ort. Im Vorfeld hatte die Republik Tatarstan mehrere Millionen Euro in die Infrastruktur, darunter einen Neubau für das GRIAT, investiert. Auch an der Förderung des Projektes ist die russische Seite in erheblichem Maße beteiligt. Im Rahmen des eigens aufgelegten Stipendienprogramms können jährlich bis zu 100 russische Studierende einen Studienaufenthalt in Deutschland absolvieren und im Anschluss in Kasan der Masterabschluss in einem der exportierten Studiengänge erwerben.

In der Zukunft soll das Ausbildungsprogramm bis auf 14 Studiengänge erweitert werden. Die TU Ilmenau will dafür auch weitere mitteldeutsche technische Hochschulen einbinden, mit denen sie bereits langjährig eng zusammenarbeitet. Darüber hinaus sind der Austausch von Forschergruppen und die gemeinsame Bearbeitung von Forschungsthemen feste Bestandteile der Kooperation. Die Kooperation im Rahmen des GRIAT soll längerfristig zur „Deutsch-Russischen Universität“ in Kasan ausgebaut werden.