ENTRADA 2.0

Mercosur-EU Freihandelsabkommen

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass sich am 28. Juni 2019 die Europäische Union mit den südlichen lateinamerikanischen Ländern Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay zu einem bedeutenden Wirtschaftsbündnis zusammengeschlossen hat, um eine der größten Freihandelszonen der Welt zu bilden. Was hat sich seitdem getan? Wir zeigen es Ihnen im nachfolgenden Beitrag.

Im November 2019 führte die Unternehmergruppe aus Thüringen ein sehr inspirierendes Gespräch mit der EU-Mercosur Botschafterin Valeria Csukasi, Bild: LEG Thüringen

Die EU gilt als zweitgrößter Handelspartner des Mercosur nach China und bildet damit einen wichtigen Eckpfeiler für die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Besonders der Abbau von hohen Zöllen auf Kraftfahrzeuge, Maschinen, chemische Produkte, medizinische Innovationen und digitale Technologien wird zukünftig die EU-Exporte in diesen Ländern kräftig anheben. Auch der EU-Nahrungsmittelsektor profitiert vom Abbau hoher Zölle, beispielsweise für Schokolade oder Spirituosen. Zudem wird sichergestellt, dass geographische Herkunftsbezeichnungen wie „Münchner Bier“ oder „Thüringer Bratwurst“ geschützt werden und die EU-Sicherheitsstandards unverändert bleiben.

Das Handelsabkommen befürwortet außerdem eine verstärkte Zusammenarbeit zur Beseitigung technischer Handelshemmnisse, fördert einen gleichwertigen Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen, erleichtert den Dienstleistungshandel, öffnet Beschaffungsmärkte und vereinfacht regulatorische Kooperationen. Besonders innovative kleine und mittelständische Thüringer Unternehmen der Kfz-, Elektronik- und Maschinenbauindustrie profitieren von dem Freihandelsabkommen mit den lateinamerikanischen Ländern. Denn für sie werden über eine eigens eingerichtete KMU-Website Informationen zum Marktzugang bereitgestellt. Zudem sollen „KMU-Koordinatoren“ beider Seiten den Unternehmen aufzeigen, wie sie durch das Abkommen eröffneten Chancen nutzen können. Die Vereinbarung sorgt außerdem für erhöhte Transparenz und die Anwendung internationaler Standards, um den Marktzugang zu erleichtern. Denn viele kleine und mittelständische Unternehmen verfügen nicht über die Kapazitäten der internationalen Großkonzerne, um sich durch den Verfahrensdschungel zu forsten.

Der Mercosur bietet einen ungesättigten Markt mit über 266 Millionen Konsumenten. Die Länder sind rohstoffreich und haben eine äußerst produktive Landwirtschaft. Unter den Mercosur-Ländern gilt Uruguay als das unternehmerfreundlichste, stabilste und innovativste. Stark nachgefragt sind hier neue Lösungen für Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung in den Bereichen Agrar- und Gesundheitswirtschaft (Telemedizin, tragbare Computersysteme, Apps und die virtuelle Ausbildung von Gesundheitspersonal). Außerdem gilt das kleine Land als Vorreiter der lateinamerikanischen Energiewende. In den kommenden Jahren sind kräftige Investitionen geplant, um die zahlreichen Infrastruktur- und Bildungsprojekte umzusetzen.

Trotz der herrschenden Rezession in den Nachbarländern Argentinien und Brasilien ergeben sich Geschäftschancen für Thüringer Unternehmen, die in dieser Phase sogar ihre Wettbewerbsposition ausbauen können, wie sich bereits in früheren Krisen zeigte. Argentinien und Südbrasilien verfügen über eine europäisch geprägte Geschäftskultur mit starker Präsenz deutscher Unternehmen. Es ist zu hoffen, dass sich beide Riesenmärkte in der üblichen wirtschaftlichen Wellendynamik erholen.