Aktuell verstärkt Praktikantin Sofia Orefice das Team Thüringen International in der Abteilung Wirtschaftsförderung. Mit ihrem italienischen Hintergrund ergänzt sie das Team um wertvolle Einblicke und unterstützt unter anderem bei Projekten zu Norditalien. Hierzu gehört auch die Erstellung dieses Beitrags:
„Diamo uno sguardo più da vicino all‘Italia!“ – Werfen wir einen genaueren Blick auf Italien:
Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Italien geriet kürzlich durch die Regierungskonsultationen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in den medialen Vordergrund. Als drittgrößte Volkswirtschaft Europas spielt der Industriestandort Italien im europäischen Binnenmarkt eine zentrale Rolle. Für dieses Jahr prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IMF) ein BIP-Wachstum von knapp einem Prozent, die Arbeitslosenquote entwickelte sich zuletzt unerwartet günstig und erstmals seit 23 Jahren wurde das Land zum Jahresende 2025 von der Rating-Agentur Moodys heraufgestuft. Auch die Olympischen Spiele setzten der Wirtschaft spürbare Impulse.
Norditalien gilt als industrielles Herzstück des Landes. Gestärkt durch große Finanz- und Dienstleistungszentren wie Mailand und Bergamo steht allein die Region Lombardei für 22 Prozent der italienischen Wirtschaftsleistung. Die Region zeichnet sich durch eine dichte Forschungslandschaft aus und gilt als Hub des internationalen Handels über die Alpen und bedeutenden Seehäfen in Genua und Triest. In der Region Emilia-Romagna befindet sich im Dreieck zwischen Modena, Bologna und Parma das weltbekannte „Motor Valley“ mit Unternehmenssitzen von Ferrari, Lamborghini, Maserati, Ducati und Dallara. Doch geht es hier schon lange nicht mehr nur um Sportwagen, sondern zunehmend um ein international wettbewerbsfähiges Ökosystem aus hochspezialisierten Zulieferern, Engineering-Dienstleistern und Maschinenbauern. Entsprechend bestimmen ähnliche Transformationsprozesse wie in Thüringen die aktuelle Wirtschaftsentwicklung dieser Region.
Ein greifbares Beispiel hierfür ist das von Ferrari im Jahr 2024 eröffnete „e-building“ in Maranello, in dem Verbrenner-, Hybridantriebe und Elektronik-Komponenten angerfertigt werden. Darüber hinaus zeigt sich durch die steigende Anzahl an Initiativen in der europäischen Verteidigungsindustrie, dass industrielle Transformation auch Resilienz und sicherheitsrelevante Fähigkeiten betrifft.
Italienische und Thüringer Unternehmen sind vor ähnliche Probleme gestellt, insbesondere in Hinblick auf den Fachkräftemangel, hohe Energiepreise, Unsicherheiten bei der Versorgung und Wettbewerbsfähigkeit. Die Parallelen in den Herausforderungen motivieren dazu, die bilateralen bestehenden Netzwerke weiter zu stärken und neue Anknüpfungspunkte zu schaffen. Hierzu wird aktuell eine Unternehmensreise nach Norditalien für die Automotive-Branche angedacht.
